Liebe Freund*innen,

wie schön, dass ihr heute alle hier seid. Dass ihr nicht zu sehr aus der Puste seid, weil ihr heute Morgen neben den üblichen Runden zu Hause (die übliche Dauerrotation zwischen Familienleben und Sonntagsfrust) vielleicht schon eine Runde beim Wasa-Lauf gelaufen seid.

Heute ist der 8. März. Heute ist Internationaler Frauentag, Frauenkampftag, unser Tag. Heute war auch Wasa-Lauf. Wie oft fühlen wir uns aus der Puste, weil wir nicht nur einen oder zwei Kilometer laufen, sondern weil wir den ganzen Laden am Laufen halten. Unsere Geschichte, unser Kampf, das ist mehr als Marathonlauf. Das Ziel irgendwie immer in Sichtweite, aber dann gefühlt doch unerreichbar.

Aber schauen wir uns an, was bei uns eigentlich so läuft.

Laufende Nasen. Kennen wir. Zuhause bei den Kids. Taschentuch reichen, wieder den Tag umplanen, morgen wohl keine Kita, morgen Kind-krank-Tag. Habe ich noch einen übrig…? Und laufende Nasen bei der Arbeitsstelle, bei „unseren“ Jobs. In der Kita, in der Grundschule, im Pflegeheim, auf der Station. Auch da reichen wir professionell das Taschentuch und kümmern uns – weil wir es gelernt haben. Das haben wir nicht in unseren Genen.

Laufende Kosten. Die die Alleinerziehende bedrücken oder die Kollegin in Teilzeit. Weil der Lohn, den es für diese Arbeit gibt, kaum reicht.

Laufende Arbeit, die uns ausbrennt, denn immer ist noch irgendwas zu tun.

Die Zeit läuft. Sie rast, denken wir, wenn wir auf die mehr als 100 Jahre andauernde Geschichte des internationalen Frauentags blicken. Vielleicht denken wir auch: Wir haben doch viel erreicht. Wir dürfen wählen, wir dürfen arbeiten gehen, wir dürfen gewählt werden, wir dürfen ein Bankkonto eröffnen, wir dürfen (unter bestimmten Umständen) eine Schwangerschaft abbrechen, wir dürfen einen Betrieb leiten, …

Aber eigentlich läuft uns doch gerade die Zeit davon. Polarisierung, Hass und antifeministische Hetze bedrohen, was wir mühsam erkämpft haben. Auch in den Betrieben wird der Ton rauer, Beschäftigte werden gegeneinander ausgespielt, Angriffe auf unsere gewerkschaftlichen Errungenschaften nehmen zu.

Wir Gewerkschafter*innen stehen für eine offene Gesellschaft und eine demokratische Arbeitswelt. Im Betrieb, auf der Straße, überall heißt es: Haltung zeigen – gegen antifeministische und menschenfeindliche Ideologien, die Gleichstellung und Solidarität gefährden.

Aber zurück zu den Betrieben: Auch in Sachen Gleichstellung läuft uns die Zeit davon.

  • Wir alle brauchen sichere Arbeitsplätze und faire Arbeitsbedingungen.
  • Wir fordern echte Lohngerechtigkeit und gleiche Chancen für Frauen.
  • Wir fordern gute Bedingungen für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie für Menschen mit Sorgeverantwortung.
  • Und wir fordern ein Arbeitsumfeld frei von Sexismus, Diskriminierung und Hass.
  • Wir brauchen Wertschätzung und gleiche Teilhabe aller Menschen.

Wenn in eurem Betrieb jetzt oder in den nächsten Monaten Betriebsratswahlen stattfinden, dann geht wählen.

Es gilt: mitgestalten statt aushalten, mitbestimmen statt aufgeben! Wer die Arbeitswelt weiblicher, vielfältiger und gerechter machen will, geht wählen. Wer wählt, stärkt Gleichstellung und die Demokratie im Betrieb - und in der Gesellschaft.

Die Zeit läuft uns davon, wenn wir Rentenpunkte sammeln wollen, wenn wir im Alter nicht arm sein wollen. So viele von uns sind dabei, auszubrennen, sie können nicht mehr. Sie verzweifeln im täglichen Dauerlauf zwischen Care-Arbeit und Lohnarbeit. Und wollen doch einfach nur - leben.

Wir halten den Laden am Laufen, ohne uns geht es nicht – aber wer erhält am Ende die Medaillen? Wir nicht. Anerkennung für unsere tägliche Arbeit fehlt, vor allem monetär. Anerkennung für unsere herausragenden Leistungen ist uns auch in der Geschichte oft flöten gegangen, wie Leonie Schöler in ihrem Buch „Beklaute Frauen“ darstellt: Wie Frauen Geschichte schrieben – und Männer dafür den Ruhm bekamen. Wie Frauen vielleicht die entscheidenden Gedanken für wissenschaftliche Veröffentlichungen hatten, in der Geschichtsschreibung aber nur als Ehefrauen, Musen oder Sekretärinnen auftauchen.

Und manchmal laufen wir auch einfach nur weg. Vor Gewalt, Übergriffen, Sprüchen. So viele von uns sind auf der Flucht, vor Krieg, vor Hunger. Gefährden ihr Leben, um überhaupt eines zu haben. Frauen können in vielen Teilen der Welt nicht mehr sicher in Frieden leben. Und das läuft so langsam aus dem Ruder. Frauen fliehen aus zahlreichen Gründen: Sie fliehen vor politischer Verfolgung, Bürgerkriegen, Umweltkatastrophen, Armut und verschiedenen Formen von Gewalt, z.B. häuslicher Gewalt oder sexualisierter Gewalt. Sie fliehen vor Zwangsabtreibung, Zwangsheirat, Zwangssterilisierung und (Genital-)Verstümmelungen, Witwenverbrennungen oder Vergewaltigungen. Sexualisierte Gewalt ist ein Mittel des Krieges. Und ihr wollt diese Menschen tatsächlich abweisen, bloß weil sie leben wollen? Hier läuft bei euch wohl so einiges nicht mehr rund…

Tja. Läuft bei uns, oder?

Mal ehrlich, so oft läuft bei uns einfach gar nichts. Den Hormonen sei Dank. Menstruation, Schwangerschaft, Stillzeit, Menopause. Wir können einfach nicht immer alles und so viel wie wir wollen. Die Medizin begreift das auch so langsam, dass Frauenkörper anders ticken, dass Medikamente anders wirken und Herzinfarkte anders verlaufen.

Die Dinge nehmen ihren Lauf. Seit hunderten von Jahren herrscht das Patriarchat. Das patriarchale Denken liegt fest verankert in den Köpfen vor.

Wir müssen das nicht hinnehmen. Wir stehen heute hier, wir reichen uns den Staffelstab weiter, wir laufen gemeinsam zu Hochtouren auf.

Und morgen könnten wir einmal alles liegen lassen, zeigen, dass ohne uns nichts geht. Wir als Gewerkschafter*innen ermutigen euch dazu, morgen statt der regulären Arbeit Frauenversammlungen im Betrieb durchzuführen. Erzählt euren Kolleg*innen davon, was noch zu tun ist. Ermuntert sie, nicht alles hinzunehmen, sondern mitzugestalten. Wir laufen als Team und verändern so die Dinge, mit Ausdauer.

Wir stärken uns. Wir zeigen, dass ohne uns nichts läuft. Wir sprengen die Grenzen des patriarchalen Denkens und die Grenzen des Denkens in binären Geschlechtern. Wir sind viele, wir sind vielfältig, wir sind überall.

Was wir nicht gemeinsam verteidigen, werden wir verlieren.
Was wir nicht gemeinsam einfordern, werden wir nicht bekommen!

Bei uns bleibt keine auf der Strecke. Gemeinsam tragen wir uns ins Ziel – und darüber hinaus!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Raus zum Internationalen Frauentag!

 

 

Kundgebung zum Internationalen Frauentag

 

 

Mit einer Mitmach-Aktion: Was uns hemmt…

 

 

… und was uns stärkt!

 

 

Aktionen zum Internationalen Frauentag in den Celler Schulen

 

Am 08.März ist Internationaler Frauentag. Sein Ursprung reicht über 100 Jahre zurück und wird heute in zahlreichen Ländern teilweise als gesetzlicher Feiertag begangen. Und die GEW Celle ist auch in diesem Jahr dabei!

Wir laden am 08.03.2026 (14:30 Uhr – 16:00 Uhr) alle Kolleginnen zu einem thematischen Rundgang zu „Frauen im KZ Bergen-Belsen – Lagerinsassinnen und Täterinnen“ in der Gedenkstätte Bergen-Belsen ein. Doreen Krohne stellt euch die Geschichte des Lagers aus Sicht der Frauen vor, beispielhaft lernen wir die Lebensgeschichten von Frauen auf beiden Seiten kennen:

Wie finden sie als Opfer und Täterin den Weg zurück in ein alltägliches Leben?

Werden Täterinnen zur Verantwortung gezogen?

Welche Hürden gibt es für die Häftlingsfrauen in der Zeit nach dem Krieg?

Gibt es Versöhnung, Schuldbekenntnisse, ein wirklich neues Leben?

Der Eintritt ist frei. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Treffpunkt ist der Tresen an der Information im Dokumentationszentrum.

Weitere Informationen:

https://www.bergen-belsen.de/ueber-uns/aktuelles/veranstaltungen/detail/frauen-im-kz-bergen-belsen-lagerinsassinnen-und-taeterinnen

 

Außerdem laden wir euch ein, laut zu werden für unsere Rechte – kommt zur Kundgebung um 16:30 Uhr! Wir machen Krach, hören Redebeiträge u.a. von Gemeinsam Kämpfen und Nina Aßmus und singen gemeinsam, stehen zusammen und stärken uns.

 

 

 

Regt außerdem bei euren Gleichstellungsbeauftragten an den Schulen an, am Montag, 09.03.2026 zu einer Frauenversammlung einzuladen. Stärkt euren Zusammenhalt am Arbeitsplatz und diskutiert über Themen, die uns betreffen, z. B. wie steht es um die Bedingungen für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie für Menschen mit Sorgeverantwortung, haben wir ein Arbeitsumfeld frei von Sexismus, Diskriminierung und Hass? Wie steht es um die Wertschätzung und Beteiligung aller, unabhängig vom Geschlecht?

Weitere Infos: https://www.gew-nds.de/aktuelles/detailseite/ohne-uns-geht-nichts-bildet-banden-macht-frauenversammlungen

 

Aufruf des DGB zum Internationalen Frauentag 2026:

https://frauen.dgb.de/++co++0f5059fc-01e7-11f1-bfb5-67e1855a3b4a

 

Rund 2.500 Beschäftigte aus dem Bildungsbereich im öffentlichen Dienst der Länder waren am Donnerstag in Hamburg auf der Straße, um für faire Bezahlung und bessere Arbeitsbedingungen zu kämpfen.

Auch die Celler GEW war mit streikenden Beschäftigten und unterstützenden Kolleg*innen vor Ort, um unseren berechtigten Forderungen lautstark Ausdruck zu verleihen:

  • 7 % mehr Gehalt – mindestens 300 € monatlich
  • +200 € für Azubis und Praktikant*innen
  • Weiterentwicklung der Lehrkräfte-Entgeltordnung
  • Tarifvertrag für studentische Beschäftigte (TV Stud)

… und endlich die Zulage für schulische Therapeut*innen!

Denn: Profis brauchen mehr!

Weitere Infos zur Länder-Tarifrunde und zu kommenden Aktionen und Warnstreiks:

https://www.gew.de/mehr

https://www.instagram.com/gew_nds

Auftaktkundgebung Bahnhof Dammtor

 

Demo-Zug in Richtung Rathaus

Fotos: GEW Celle

 

Anbei finden sich hier das Protokoll und der Rechenschaftsbericht der Mitgliederversammlung.

Protokoll Mitgliederversammlung

Rechenschaftsbericht