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Bei bestem Wetter und guter Stimmung unterstützte die GEW Celle tatkräftig die diesjährige Maikundgebung auf der Stechbahn. Heraus zum 1. Mai – für faire Löhne und gute Arbeitsbedingungen für alle Beschäftigten!

Hier ein paar Eindrücke:

 

 

Foto: Jürgen Elendt

 

 

Fotos: GEW Celle

 

cz.de

 

Und hier der Redebeitrag von unserer Vorsitzenden Nina Aßmus:

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

heraus zum 1. Mai – wie schön, dass ihr heute alle hier seid am Tag der Arbeit.

Mein Name ist Nina Aßmus, ich bin Lehrerin, seit meinem Studium vor 20 Jahren mit der GEW verbunden, seit meinem Eintritt ins Referendariat Mitglied der GEW und aktuell Vorsitzende des Kreisverbandes Celle. Ich bin äußerst aktive Personalrätin meiner Schule. Ach ja, und die GEW-Arbeit, die mache ich ehrenamtlich neben Familie und Beruf.

„Erst unsere Jobs, dann eure Profite“ lautet unser Motto in diesem Jahr und ich möchte euch ein bisschen dazu erzählen, wie es bei uns Bildungsarbeiter*innen so aussieht im Job. Und dazu, warum unsere Gewerkschaftsarbeit so wichtig ist – immer noch und vielleicht mehr denn je. Und warum ich so froh bin, mit meiner GEW im DGB zu Hause zu sein.

Im Januar und Februar (bei weniger angenehmen Witterungsverhältnissen) hieß es bei uns zweimal flächendeckend in Niedersachsen: Heute ist kein Arbeitstag, heute ist Streiktag!

Die Tarifverhandlungen der Länder standen an. Nun sieht das mit dem Streiktag bei uns bei der GEW etwas anders aus: Verbeamtete Lehrkräfte dürfen nicht streiken und der Betrieb, also in den allermeisten Fällen die Schule, wird nicht lahmgelegt. Im Gegenteil: Bei den vorherrschenden Krankenständen fallen zwei oder drei streikende angestellte Lehrkräfte, Therapeut*innen oder Schulsozialarbeiter*innen im Vertretungsplan kaum auf. Der Betrieb ist gefühlt längst lahmgelegt.

Aber wir hatten Erfolg: Es gibt mehr Geld.

Entgelterhöhung um 5,8% in drei Stufen bis Januar 2028, ab 1. April gab es schonmal 2,8% mehr Gehalt.

Eine Angleichung der Besoldungstabellen für die Beamt*innen wird angestrebt. Bei den Streiktagen waren wir gemeinsam mit ver.di und der GdP auf der Straße – ein klares Zeichen dafür, dass wir nur gemeinsam stark sind!

Okay, es gibt also mehr Geld. Aber für wen denn? Personal fehlt an unseren Schulen an allen Ecken und Enden. Die Oberschulen im Landkreis Celle haben eine durchschnittliche Unterrichtsversorgung von 86,2%, der Regelunterricht kann also kaum  gedeckt werden und Ganztag findet an den Oberschulen nicht mehr statt, die neu gebauten Mensen verwaisen. Und an den Gymnasien werden Stellen ausgeschrieben, um Leute ins System zu bringen, die dann wieder an die Oberschulen und Grundschulen abgeordnet werden, um dort die Löcher zu stopfen. An meiner Schule sind von den knapp 80 Kolleg*innen aktuell 14 abgeordnet – teilweise vollständig an die IGS, teilweise unterrichten sie einen Tag an einer Grundschule in Celle. Das hilft den Grundschulen wenig weiter, wünschen sie sich doch Kolleg*innen, die Klassenleitungen übernehmen und an nahezu allen Tagen in der Woche vor Ort sind. Per Erlass ist jedoch geregelt, dass die abzuleistenden Unterrichtsstunden an den Schulen ganz unterschiedlich sind und wer hauptsächlich an einer Grundschule tätig ist, hat eine Unterrichtsverpflichtung von 28 Stunden, an einem Gymnasium aber nur 23,5 – mehr Arbeit, gleiches Geld. Hier müsste dringend nachgebessert werden. Doch im Zyklus der Legislaturperioden bleibt gefühlt nur ein Jahr, um wirklich etwas zu ändern – und dann wird schon wieder abgewartet, weil die nächste Wahl bald ansteht. Also gerade Stillstand.

Drängend ist dagegen das Thema Ganztag. An den Grundschulen kommt zum neuen Schuljahr der Rechtsanspruch auf einen Ganztagsplatz. Für uns als GEW ist hierbei wichtig, dass Ganztag kein bloßes Aufbewahren ist, sondern pädagogische Arbeit, die von qualifiziertem Fachpersonal, das gerecht entlohnt wird, erfolgen muss.

Aber nein, wir hören ja immer: Ja, wir würden ja gerne mehr investieren in die Bildung, aber die gestiegenen Personalkosten… Bitte?!? Ich kann doch niemanden dafür anzählen, dass diese Person eine gerechte Entlohnung fordert, sodass es bei den aktuellen Bedingungen zum Leben reicht! Wenn kein Geld da ist, dann doch deswegen, weil es nicht investiert werden wollte, weil es in Rüstung oder andere profitable und prosperierende Zweige fließt.

Erst unsere Jobs, dann eure Profite – aber wer Profite erzielen will, muss in die Bildung und Demokratieerziehung investieren. Diese Woche habe ich die Proteste der kommunalen Theater Niedersachsens unterstützt. Gefordert wurden 2% vom Haushalt für die Kunst, und das erscheint doch eigentlich viel zu wenig, wenn wir uns überlegen, wo Demokratiebildung stattfindet, wo Erfahrungsräume und Diskussionsplattformen eröffnet werden – in den Kultur- und Bildungseinrichtungen! In den Kitas und Schulen lernen unsere Kinder unsere Gesellschaft kennen. Diese Orte sind offen für alle, diese Orte stehen für Vielfalt und Austausch, hier können Fragen beantwortet und vor allem überhaupt erst gestellt werden. Wir brauchen mehr vom Kuchen, nicht weniger oder gleich viel.

Und hier sind wir wieder bei unserer gemeinsamen Gewerkschaftsarbeit: Wir sind heute alle gemeinsam hier. Wir sind solidarisch, wir kämpfen für Toleranz und Vielfalt und für unsere Demokratie. Fangen wir bei den Jüngsten an und geben wir ihnen das, was sie brauchen: Sichere Orte, gute Lernumgebungen, qualifiziertes pädagogisches Personal, eine Zukunft. Wir werden alle davon profitieren.

 

Einen weiteren Bericht und Fotos findet ihr hier:

https://celler-presse.de/2026/05/01/1-mai-in-celle-gewerkschaften-fordern-mehr-lohn-und-solidaritaet/